Yu (勇): Mut

Mut trägt Vertrauen in sich und Vertrauen zeugt von Mut.

Yu (勇) Mut

»Sich einer Dojo-Gemeinschaft anzuschließen, das sollte man mit Bedacht angehen.«

Ernsthafte Übung in einem Dojo bringt auf Dauer eine tiefe Erfüllung mit sich. Allerdings sind mit einer authentischen Wegübung auch Hindernisse verbunden. Diese gemeinsam innerhalb einer Dojo-Gemeinschaft zu meistern verstehe ich als eine Möglichkeit, die zwischenmenschliche, kulturelle und gesellschaftliche Wertschätzung im Sinne von Freundschaft und Zusammenarbeit zur Entfaltung zu bringen. 


Mut trägt Vertrauen in sich und Vertrauen zeugt von Mut. Vertrauen können - zunächst einmal sich selbst und letztendlich seinen Wegbegleitern gegenüber. Mutig sein - um Vertrauen zu geben und ohne Verlustängste oder geistige Blockaden aktiv zu sein. Auf diesem Weg kann eine starke geistige Haltung innerhalb der Dojo-Gemeinschaft entstehen.


Ein Hindernis ist die Ablenkung. Mit der Zeit wird sich der Wert der Übung zeigen. Bleibt die Beständigkeit bestehen? Am Anfang ist alles neu und das Ego bedient sich der Annehmlichkeiten. Erste Prüfungen wurden bestanden. Die Technik wird umfangreicher, die körperlichen Fertigkeiten wachsen und vielleicht beginnt hier schon der Vergleich. Das Bewerten und Einordnen von Äußerlichkeiten. Versteht man langsam, das Ego zu kontrollieren oder lässt man es frei wie einen hungrigen Wolf?


Ein anderes Hindernis ist die Belastbarkeit. Die eigene Gedankenwelt oder das in den bisherigen Jahren erzeugte Bild der gesellschaftlichen Position wird sich im Laufe der Übung mit den Werten im Budo reiben. Die Belastbarkeit von Status, Familienleben und Freundeskreis wird auf die Probe gestellt und nicht selten scheitert hier das dekorative »Projekt« traditionelle Kampfkunst. Reiht man sich ein in den mutlosen Reigen der Menschen, die »Mal eine Pause brauchen« oder bleibt man bei sich selbst, bleibt man sich und der Dojo-Gemeinschaft treu?


Mut, Vertrauen, Treue und Wertschätzung – es gibt noch einige tugendhafte Formulierungen, die hier gut passen würden – sind sinnvolle Eigenschaften, um sich in Geistesgegenwart zu üben. Denn das ist es, was man mit Budo praktiziert. Den passenden Ort dafür findet man in unserem Fall in einem Dojo. Über diese Geistesgegenwart schrieb einmal Johann Wolfgang von Goethe: »Jeder Zustand, ja jeder Augenblick, ist von unendlichem Wert; denn er ist der Repräsentant einer ganzen Ewigkeit.«


An dieser Stelle taucht ein weiteres Hindernis auf: die Angst. Angst vor der Ewigkeit. Angst vor dem Tod, der sich gern als Ewigkeit verkleidet in der Gesellschaft des Konsums präsentiert. Angst vor einem langen Zeitraum – denn damit können ja Entbehrungen, Veränderungen oder Unsicherheiten verbunden sein. Sich hier mit mutiger Dynamik in den Wind zu stellen, den eigenen Vorbehalten zu trotzen und das Vertrauen zu haben, eine Reise ohne Ziel anzutreten, sind Vorboten der richtigen Entscheidung.


Und weil es an dieser Stelle so schön passt, ein weiteres Hindernis: Die Entscheidung. Wer hat den Mut, eine Entscheidung zu treffen und diese nicht mehr rückgängig zu machen? Heute trifft man eine Entscheidung und in einer Woche ist sie nicht mehr als eine Seifenblase die zerplatzt. Ich habe durch Budo Menschen kennengelernt, die eine Entscheidung getroffen haben. Deren damit verbundener Lebensweg ist für mich Ansporn. Ehre, Charakter, Würde und Stolz. Barmherzigkeit, Güte, Mitgefühl und Liebe – die Essenzen für eine wahrhaftige Entscheidung.


Sich einer Dojo-Gemeinschaft anzuschließen, das sollte man mit Bedacht angehen. Die Kraft einer Dojo-Gemeinschaft kann einem Menschen unglaublich viel geben. Ist man bereit, als ein Teil des Ganzen seinen Beitrag zu leisten, bereichert es die Gesellschaft von innen heraus. Denn alles was wir innerhalb eines Dojo zur Entfaltung bringen, wird sich auch im Außen zeigen.


Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

David Deinert