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Was für ein Erlebnis!

Wieder zwei Tage Unterricht bei Sensei Laupp Hanshi 9. Dan.

Mobirise

Zwei Tage intensive Übung, Lehrgespräche, praktische Aufgaben in der Kinder- und Erwachsenenübung - zwei Tage außerhalb des Weltlichen, um Budō - Kampfkunst als Lebensweg - zu erfahren.

Im September 2016 begann mein persönlicher Unterricht bei Sensei. Seit dem reise ich im vierzehntägigen Rhythmus nach Düsseldorf in das Europäische Zentrum für Okinawa Shorinryu Shidokan Karatedo Kobudō.

Zwei Jahre später gab es einen Moment, als Sensei meinte: »Jetzt bist Du soweit und wir können mit der Übung beginnen.« Mir wurde klar, dass Sensei die Rahmenbedingungen vorgibt und ich mich diesen - ohne Bedingungen und Abwägungen zu stellen - angepasst hatte und bis hierhin durchgehalten habe.

Traditionell gibt es Stufen, die man als Karateka durchlaufen muss, man weiss nicht wann sie beginnen, wann sie enden und es gibt keine Abkürzung.

Betrachte ich jetzt die weiteren Treppenstufen am Fuße eines Berges, ermöglichte mir Sensei an diesen zwei Tagen die Stufe des »Ironman«, wie er sie bezeichnet, zu erklimmen - sie war ziemlich hoch.

»Tetsu no Te« / die eiserne Hand - dieses Prinzip mündet in der namentlichen Kata »Tetsu Sho« oder verkürzt »Te-Sho« welche von seinem Lehrer, Sensei Miyahira Katsuya Hanshi 10. Dan entwickelt wurde.

Sensei Laupp lehrt die Praxis des »Ironman« mit den gleichen Prinzipien, wie er sie von seinem Lehrer erfahren hat. Im Laufe der Jahre hat er seine eigene Methode entwickelt, einem Schüler dieses Prinzip nahe zu bringen.

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Diese spezielle Übung erfolgt nur unter bestimmten Voraussetzungen und in einem engen Schüler-Kreis. Sensei betont das ausdrücklich. Ist der Schüler bereit, zeigt der Lehrer sich ebenfalls bereit und wird den Schüler unterrichten.

Die Idee dieser Methode von Sensei Laupp: Der Körper eines Karateka sollte hart, stark und gleichzeitig flexibel wie Bambus sein. Übertragen auf die geistigen Aspekte führt Sensei es noch weiter: »Tetsu no Kami« - der eiserne Geist, einen unerschütterlichen Geist zu entwickeln … eisern, stark und dennoch flexibel.

Ich denke da an meine Erfahrungen in der Übung mit Sensei. Zum Beispiel bei »Kata-Kitae«. Wird man von ihm getestet, hat man das Gefühl gegen Eisenstangen zu schlagen und Sensei scheint gar nichts dazu beigetragen zu haben.

Demonstriert Sensei eine Partner-Übung, bewegt er sich aus einem festen Stand blitzschnell in die nächste Position und seine flink anmutende Technik endet mit einem eisernen Kime.

Und jetzt stehe ich im Dojo, in der Position »Shiko Dachi«. Die Arme vor mir gestreckt mit drei zusammengeklebten Bambus-Stöcken auf den Armen. Vermeintlich kein großes Gewicht, aber mit der Zeit ändert sich dieser Eindruck und man sieht sofort wenn gewackelt wird, sich der Stand verändert oder die Arme sinken.

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Abwechselnd werden mit ganzem Körpereinsatz von Sensei aufeinander abgestimmte »Kata«, insbesondere die Kata »Te-Sho«, »Hojo Undo« für die Arme am Makiwara und Halteübungen für die ganze Körperstruktur geübt.

Das Konzept dieser Methode fasziniert mich, denn alle damit verbundenen Übungen enthalten das Prinzip der Kata »Te-Sho«. Sensei betont, bei jeder der Übungen den Fokus auf diese Kata zu wahren.

Am Ende der ersten zwei Stunden dieser Art der Übung brennen die Beine, die Arme zittern und der Schweiss läuft in alle möglichen Richtungen.

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Als die Übung zu Ende ist meint Sensei: »Ruh Dich nach dem Mittag gut aus. Die nächste Übung vor der Abendübung wird etwas anstrengender werden.«

Beim Mittagessen denke ich über die Übung nach. Wir sitzen im Restaurant »Sattgrün« in Düsseldorf. Veganes und vegetarisches Essen, lecker!!!

Ich vermisse das in Chemnitz, hier gibt es nichts Vergleichbares. Sensei schmunzelt und meint: »Mach doch ein eigenes Restaurant auf.« Sensei meint das ernst, wenn er zwanzig Jahre jünger wäre, würde er das machen. Seine Lebenserfahrung kann Bände füllen ...

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Nach der Mittagspause ging es weiter.

Wie vorher erwähnt liegt jetzt erneut der Schwerpunkt bei der Kata »Te-Sho« und ein alter Bekannter kam hinzu. Als wir einmal die Kobudō-Kata »Unyu nu Kun« geübt haben, tauschten wir den Langstock gegen einen schweren aus Teak-Holz aus.

Wieder gab es eine bestimmte Reihenfolge an Kata. Die Halteübungen wurden in ihrer Dauer verlängert und der Langstock aus Teak-Holz auf meinen Armen liegend fühlte sich immer mehr wie eine Eisenstange an.

Dazu kam die Arbeit am »Kakete-Buki«, einem beweglichen Holzarm. Die Handtechnik »Te-Sho« kann man an diesem Gerät optimal üben. Meine Unterarme machten sich mittlerweile durch Schwellungen bemerkbar.

Ein mahnender Blick von Sensei während der letzten Runde signalisierte mir, an den eisernen Geist zu denken und nicht aufzugeben. Für einen Moment gab ich meine Position auf. Wenn man in der Position »Shiko Dachi« steht oder die Halteposition auf Fäusten mit einem Stock auf dem Rücken übt, bemerkt Sensei sofort kleinste Veränderungen.


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»Tetsu no Te« / »Tetsu no Kami«, über diese beiden Prinzipien denke ich weiter nach – »Kami-za« der Sitz der der Ahnen, der Geister und Sitz der vorangehenden Meister, also alle die vor uns kommen – in diesem Kontext eröffnet sich ein weiterer Aspekt.

Sensei sagt: »Du besitzt einen Körper – aber Du bist nicht Dein Körper!« Formt man diesen Körper, formt man sein Bewusstsein. Die Willensstärke wächst und die Persönlichkeit reift.

Er meint: »Betrachte es wie den Wachstumsprozess einer Blume. Von der Knospe, die aus dem Boden ragt, dem Entfalten ihrer Blätter bis zu dem Moment, wenn die Blüte aufgeht.« Das ist für diese Form der Entwicklung ein schönes Beispiel.

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Vieles während dieser Unterweisungen kommt mir bekannt vor, die Maxime unserer Schule zum Beispiel: gō ri gō hō kyō son kyō ei

»Der Vernunft und dem Recht folgen, in Gemeinschaft leben, gemeinsam erblühen.«

Wir kennen die Bedeutung der Kanji – mit den Erfahrungen dieser beiden Tage verstehe und sehe ich jetzt etwas mehr. Dafür danke ich Sensei. Mit den Möglichkeiten in unserem Dojo kann ich diese erste Stufe der »Ironman» Praxis vertiefen und daran weiter arbeiten.

Am Abend dann gab mir Sensei einige Aufgaben. Die Übung leiten, Übungen vermitteln, den Unterricht aufbauen und in einem bestimmten Zeitfenster beenden. Dabei den von Sensei erwähnten eisernen Geist versuchen zu nutzen, auch das war eine Aufgabe, die es zu meistern galt. Ich stellte mich meinen Unsicherheiten und danke allen Schülern für ihr Vertrauen und ihre Unterstützung an diesem Abend und auch während der ganzen bisherigen Zeit. Domo arigato gozaimasu!

Später sprachen wir noch lange über die Übung, darüber, die tiefe einer Kata zu ergründen und Budō in seiner Gesamtheit zu sehen. Sensei erzählte mir Anekdoten über seinen Lehrer Sensei Miyahira Katsuya. Ich sehe jetzt seine Fotos mit einem erweiterten Bewusstsein an. Das, was sich hinter »Tetsu no Te« verbirgt ist eine Essenz. Sein Vermächtnis.

Sensei Laupp hat mir an diesen zwei Tagen einen Zugang zu diesem Wissen ermöglicht.


David Deinert / 09. bis 10. Januar 2020

im Europäischen Zentrum für Okinawa Shorinryu Shidokan Karatedo Kobudo

Infos zur Ausbildung:

www.shorinryu.de/ausbildung.html

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