Ich übe und lehre die okinawanische Kampfkunst Shōrin-ryū Shidōkan Karatedō nach der Lehre von Sensei Joachim Laupp, 9. Dan Hanshi, und in der Tradition seines Lehrers Sensei Miyahira Katsuya, 10. Dan Hanshi. Karatedō ist nicht meine Freizeit — es ist mein Beruf, meine tägliche Übung und der Weg, auf dem ich mich selbst und meine Schüler führe.
Mein Name ist David Deinert. Ich bin verheiratet mit Ines Deinert und Vater von zwei Kindern. Auch meine Frau übt diese Kampfkunst — sie trägt heute den 4. Dan. Seit 2020 leite ich das Shirasagi Shima Dōjō in Chemnitz.
Vom Schüler zum Lehrer
Ich übe Karate seit vielen Jahren — zuerst in verschiedenen Schulen, die ich rückblickend als wichtige Stationen betrachte. Die entscheidende Wendung kam 2016, als ich Sensei Joachim Laupp begegnete. Seither bin ich sein persönlicher Schüler.
Einmal im Monat reise ich zu ihm nach Düsseldorf. Diese Tage sind nicht Trainingseinheiten, sondern direkte Übung — Korrektur, Lehrgespräch (Dokusan), das stille Weitergeben einer Tradition, die in Worten kaum gefasst werden kann. Regelmäßig führen mich Aufenthalte nach Okinawa, an den Ursprung dieser Linie. So nehme ich auf, was ich später in meinem Dōjō weitergebe.
Was ich lehre, ist nichts, das ich mir ausgedacht habe. Es ist das, was mir gegeben wird. Mein Auftrag ist, es nicht zu verändern, sondern es weiterzutragen — in seiner Form und in seinem Geist.
Sensei Joachim Laupp
Sensei Joachim Laupp, 9. Dan Hanshi, ist direkter Schüler von Sensei Miyahira Katsuya, 10. Dan Hanshi, und leitet die Linie des Okinawa Shōrin-ryū Shidōkan in Europa. Er lehrt in seinem Hauptsitz in Düsseldorf und im Shirasagi Hombu Dōjō in Trier.
Sensei Miyahira verlieh Sensei Laupp den Schulnamen Shirasagi — Festung des Weißen Kranich. In dessen Auftrag trägt Sensei Laupp die Linie auf europäischem Boden weiter. Den Namen unseres Dōjō — Shirasagi Shima, Dōjō-Insel des Weißen Kranich — erhielten wir wiederum von Sensei Laupp.
Sensei Laupp betrachte ich wie einen Vater. Was er mir gibt, geht über Technik weit hinaus — es ist eine Form von Vertrauen, die nicht zu kaufen und nicht zu eilen ist. Sie wächst nur durch Jahre.
Karatedō als Beruf
Karatedō ist für mich kein Trainerberuf. Es ist eine Disziplin, die mich täglich übt, lange bevor ich andere lehre. Sechs Tage in der Woche stehe ich morgens im Dōjō — Kata, Hojo Undō, Makiwara, Stretching, Krafttraining. Diese Übung ist mein Fundament. Ohne sie könnte ich nicht weitergeben, was ich weitergebe.
Neben der körperlichen Übung übe ich mich in der inneren Lehre, die Sensei Laupp mir weitergibt — dem geistigen und spirituellen Weg, der das Karatedō trägt. Technik allein ist Form ohne Tiefe. Erst die innere Übung gibt ihr Maß.
Im Dōjō unterrichte ich an fünf Abenden in der Woche drei Gruppen — Kinder, Jugendliche, Erwachsene. Ein Dōjō lebt davon, dass der Lehrer selbst beständig übt. Aus dieser Beständigkeit wird Klarheit. Aus Klarheit wird Geduld. Was ich von den Schülern annehmen darf, hängt davon ab, was ich vor ihnen selbst tue.
Zwei Räder an einer Achse
Was wir üben, ist nicht Karate allein. In der Linie, in der ich stehe, gehören Karate und Kobudō zusammen wie zwei Räder an einer Achse. Eines ohne das andere bewegt sich nicht.
Im Karate übt der Körper sich selbst. Im Kobudō übt er sich mit dem, was er führt — Bō, Sai, Tonfa, Nunchaku, Eku. Beides schult dieselbe Wahrnehmung: Stand, Atem, Distanz, Aufmerksamkeit. Die Waffe ist dabei nicht Werkzeug, sondern Verlängerung — sie macht sichtbar, was im Körper noch nicht klar ist.
Auf Okinawa wurde diese Verbindung über Jahrhunderte gepflegt. Wer dort übt, übt beides. Diese Tradition gebe ich an meine Schülerinnen und Schüler weiter — Schritt für Schritt, in dem Rhythmus, den jeder selbst tragen kann.
Übung mit den Dan-Trägern
Einmal im Monat treffe ich mich mit einigen Dan-Trägern aus meinem Dōjō zu einer vertieften Übungseinheit — mit jenen, die über das reguläre Keiko hinaus weitergehen wollen. Diese Stunden sind ein eigener Raum, in dem Technik nicht mehr trennt, sondern verbindet.
Es ist für mich selbst ein Lernfeld. Ich bereite mich darauf vor, in einigen Jahren persönliche Schüler aufzunehmen — so, wie Sensei Laupp es mit mir tat. Das ist kein schneller Schritt. Es will Reife auf beiden Seiten — bei mir als Lehrer und bei den Menschen, die ihn gehen.
Über die Übung hinaus
In unserer Schule gilt ein einfacher Satz: Sei hart zu Dir selbst, aber freundlich zu anderen. Er beschreibt, wie ich mich selbst verstehe — und wie ich lehre.
Von meinen Schülern erwarte ich nichts, was ich nicht selbst täglich übe. Ein Lehrer ist kein Aufseher und kein Antreiber. Er ist Vorbild — durch das, was er tut, nicht durch das, was er fordert. Wer in den Spiegel schaut, bevor er die Hand zur Korrektur hebt, korrigiert anders. Geduldiger. Genauer. Wahrer.
In meinem Dōjō übt heute eine Schülerschaft, die mit mir gewachsen ist — meine Frau, einige langjährige Schüler und mehrere Jugendliche, die als Kinder bei uns begonnen haben. Eine Schülerin hat in diesem Jahr den Nidan erreicht. Das ist nicht mein Verdienst, sondern ihrs. Manche werden ihren Weg schneller gehen, andere langsamer — was zwischen uns trägt, ist die gemeinsame Zeit im Dōjō.
Was ich tun kann, ist üben und beständig sein. Alles andere entscheiden die Schüler selbst — über Jahre, durch eigene Aufrichtigkeit.
Kampfkunst als Lebensweg.
Nicht als Schlagwort.
Als Tagewerk.